Mi 30.09.
17:00
Kino
Arsenal
zu dem KalenderZu Gast: Teresa Althen (FILE NOT FOUND), Samuel Bich (FILE NOT FOUND Resident), Bianca Bozzeda (Kultur Ensemble Palermo, Goethe-Institut Palermo), Clio Nicastro (HaFI), Beatrice Zerbato (HaFI Resident)
Im Rahmen von Found Futures – Archival Assembly #4 wird Beatrice Zerbato eine kurze Einführung in Nuova Orfeo geben, das Programm für experimentellen Film und Musik, das sie gemeinsam mit dessen Gründerin, der Künstlerin und Filmemacherin Beatrice Gibson, in Palermo kuratiert, und dabei über die Beziehung zwischen Programmgestaltung und Archivierung reflektieren.
Im Anschluss an die Präsentation folgt die Vorführung von Gioco di dama (1961–63) von Marinella Pirelli, einem vierminütigen Animationsfilm, der von der Fondazione Home Movies in Bologna restauriert und erhalten wurde.
Marinella Pirelli (1925–2009, Verona) war eine italienische Künstlerin, die ein einzigartiges Œuvre schuf, das sich zwischen Malerei, Lichtinstallation und Experimentalfilm bewegte. Ihr Interesse an Wahrnehmung und Dauer veranlasste sie Anfang der 1960er Jahre, mit dem Medium Film zu experimentieren und neue Wege zu erkunden, Licht, Körper und die natürliche Umgebung durch die Kamera darzustellen. Im Dezember 2025 wurde im Rahmen des Programms von Nuova Orfeo in Palermo eine Retrospektive zu Pirellis Werk präsentiert, die gemeinsam mit Lucia Aspesi kuratiert wurde. Gioco di dama ist Pirellis erster Film.
Im Anschluss an die Vorführung wird Beatrice Zerbato mit Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal Filminstitut) und Clio Nicastro (Harun Farocki Institut) im Gespräch sein.
Die Präsentation ist Teil von Beatrice Zerbatos Residency am Arsenal Filminstitut in Zusammenarbeit mit dem Harun Farocki Institut und dem Kultur Ensemble Palermo.
Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht das experimentelle Kino der 1970er- bis 1990er-Jahre, wobei sie ihr Augenmerk insbesondere auf feministische Praktiken sowie auf übersehene, vergessene oder weniger bekannte Werke richtet. Im Rahmen ihrer Residency möchte sie bei Nuova Orfeo diese Forschung über nationale Grenzen hinaus erweitern, indem sie sich intensiv mit der umfangreichen Filmsammlung des Arsenal Filminstitut und dessen Programmgeschichte auseinandersetzt.
Bianca Bozzeda erwarb ihren Abschluss in Philosophie an den Universitäten Bologna und Paris I Panthéon-Sorbonne mit einer Abschlussarbeit über das Genie des Nomaden und den Verlust der Heimat als besondere Chance für Kreativität. Sie verfügt über einen Masteraschluss des Institut d’Études Européennes der Universität Paris VIII und war Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Sie war in verschiedenen internationalen Institutionen tätig, darunter am UNESCO-Hauptsitz in Paris, beim Institut français München und in der Zentrale des Goethe-Instituts in München, bevor sie dem Goethe-Institut Palermo beitrat, wo sie Beauftragte des Deutsch-Französischen Kulturinstituts “Kultur Ensemble” ist.
Clio Nicastro ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für Philosophie und Kulturwissenschaften am Bard College Berlin und eine der Leiterinnen des Harun Farocki Instituts. Zuvor war sie Postdoktorandin am ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry und erhielt Forschungsstipendien des DAAD sowie der VolkswagenStiftung. Sie promovierte im Fach Ästhetik und Kunsttheorie an der Universität Palermo. Derzeit arbeitet sie an einem Buch über die Darstellung von Essstörungen im Kino – eingebettet in ihre umfassendere Forschung zur Geschichte des Körpers und dessen „Ausdrucksformen“. Sie ist Autorin der Monografie La Dialettica del Denkraum in Aby Warburg (Palermo University Press, 2022) und Mitherausgeberin der Bände Violence, Care, Cure. Self/perceptions within the Medical Encounter (Routledge, 2025) sowie Over and Over and Over Again. Reenactment Strategies in Contemporary Arts and Theory (ICI Berlin Press, 2022). Gemeinsam mit Daniel Graziadei und Martina Bengert kuratiert sie derzeit einen Band mit Übersetzungen von Gedichten der italienischen Feministin und Kunstkritikerin Carla Lonzi.
Beatrice Zerbato ist seit ihrem Abschluss in Filmwissenschaft an der Universität Turin als Fotografin, Archivarin und unabhängige Forscherin tätig. In ihrer Forschung betrachtet sie Archive als aktive Werkzeuge, die Geschichten bewahren und neue Beziehungen sowie politische Vorstellungswelten schaffen. Seit 2023 lebt sie in Palermo und kuratiert gemeinsam mit Beatrice Gibson Nuova Orfeo, ein unabhängiges Kino- und Musikprogramm, das sich aus feministischer Perspektive auf nicht kommerzielle, vergessene oder zensierte Werke konzentriert.
Im Rahmen des Archival Assembly #4 veröffentlicht Teresa Althen im Namen von FILE NOT FOUND das erste Kapitel der Publikationsreihe. Darin werden die heutigen Herausforderungen für Archive beleuchtet und 15 vorläufige Schritte für widerständige Archive vorgestellt – entwickelt in Zusammenarbeit mit mehr als 20 Archivinitiativen aus der ganzen Welt.
Wie kann ein Archiv zugänglich werden, ohne Hierarchien aufzuerlegen? Ich entwerfe ein Index-Poster, das die gesamte Filmsammlung des Arsenal Filminstitut abbildet. Dabei nutze ich das Material selbst, um etwas Dauerhaftes zu schaffen, überführe es jedoch zugleich in eine neue zeitliche und materielle Form für die zukünftige Auseinandersetzung. Indem ich „Arsenal“ wörtlich als „Haus des Tuns“ verstehe, bieten diese Bestands-Poster einen niederschwelligen Zugang zu schwer zu erschließenden Archiven; sie wecken Neugier und helfen mir zugleich selbst, die gewaltigen Materialmengen zu erfassen.
Teresa Althen ist Kuratorin und Projektleiterin am Goethe-Institut Portugal in Lissabon. Sie ist verantwortlich für das Filmprogramm und das Filmarchiv des Instituts und leitet internationale Kulturprojekte, Festivals und Konferenzen. Dazu gehört auch FILE NOT FOUND – Protect Archives. Defend Democracy, eine internationale Initiative, die Archive, Künstler*innen und Forscher*innen zusammenbringt, um Bedrohungen wie politische Einflussnahme, Zensur, Manipulation und Löschung zu bekämpfen.
Samuel Bich studierte Kunst in Leipzig, Glasgow und Wien. Er leitet gemeinsam mit anderen den Projektraum oxfordberlin und gründete den Verlag Yours Sincerely. In seiner künstlerischen Praxis beschäftigt er sich mit Ausstellungs- und Publikationsformen am Rande institutioneller Strukturen und untersucht dabei Geschichtsschreibung, Bildproduktion und Vermittlung. Im Jahr 2024 erhielt er den Cathrin-Pichler-Preis. Seine Arbeiten wurden in der Halle für Kunst Lüneburg, der Kunsthalle Wien und bei Printed Matter, NY, gezeigt und befinden sich in den Beständen der Getty Research Library sowie der Bibliothek der UdK Berlin.
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